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Rebe & Traube

Weinreise · Oktober 2026

Saint-Jeannet: Wein in Glasballons über der Côte d’Azur

Eine Weinprobe im Hinterland von Nizza: Stefan besucht Saint-Jeannet und das Domaine des Hautes Collines mit seinen ungewöhnlichen Glasballons.

3 Min. Lesezeit

Blick auf Saint-Jeannet und einen bewaldeten Felsberg unter grauen Wolken.
Eigenes Reisefoto; Saint-Jeannet vom Betreiber bestätigt.

Reisebericht von Stefan · unterwegs im Oktober 2026

Nach den Regentagen in der Camargue fuhren wir weiter Richtung Saint-Tropez und Nizza. Wir wollten dem schlechten Wetter entkommen, schauten uns an der Küste um und suchten schließlich einen Platz für die Nacht. Fündig wurden wir oberhalb der Côte d’Azur, in der Nähe von Saint-Jeannet.

Der Ort wirkte auf uns wie ein Balkon über der Landschaft. Enge Gassen, Wege zu Fuß und Häuser, zwischen denen man sich Zeit lassen möchte: Für mich war das einer dieser französischen Orte, in denen schon ein Spaziergang zum Reiseerlebnis wird.

Vom Übernachtungsplatz zur Weinprobe

Bei dem Weingut, an dem wir für diese Nacht stehen durften, bekamen wir zunächst einen praktischen Hinweis: Bei Regen könne die Ausfahrt am nächsten Morgen schwierig werden. Wir sollten vorsichtig sein. Das war eine persönliche Absprache während unserer Reise, kein allgemein buchbarer Stellplatz, den wir hier versprechen könnten.

Dann kam die Einladung, noch einmal zur Verkostung herunterzukommen. Ein junger Mitarbeiter nahm sich Zeit, obwohl er eigentlich nach Hause fahren wollte. „Wenn ihr schon da seid“, war der freundliche Gedanke dahinter. So standen wir im Sonnenuntergang mit einem Glas Wein und einem weiten Blick über das Hinterland von Nizza.

Das Domaine des Hautes Collines und die Familie Rasse

Der Betrieb heißt auf seiner heutigen offiziellen Website Domaine des Hautes Collines. In touristischen Verzeichnissen findet sich auch die längere Bezeichnung Vignoble des Hautes Collines de la Côte d’Azur. Der Familienname lautet Rasse. Unser in den Notizen verwendetes „Raset“ ist deshalb keine zweite Winzerfamilie, sondern eine ungenaue Übertragung.

Besonders eindrucksvoll waren für uns die großen, runden Glasballons auf der Terrasse. Verschiedene Weine standen dort nebeneinander, versehen mit Hinweisen zu den Rebsorten. Das wirkte ungewöhnlich, fast wie eine Sammlung flüssiger Farben in der Landschaft.

Regionale Wein- und Produzenteninformationen beschreiben den Ausbau in Glasballons unter freiem Himmel und in der Sonne als eine Besonderheit des Betriebs. Daraus folgt nicht, dass jede einzelne Cuvée genau gleich ausgebaut wird. Für die Details eines konkreten Weins lohnt die Nachfrage beim Weingut.

Ein Weißwein, bei dem wir langsam wurden

Wir begannen mit einem Weißwein aus der Linie „Les Vignes de Louis“. Das eigene Foto des Rückenetiketts nennt IGP Alpes-Maritimes und Georges Rasse et Fils in Saint-Jeannet. Der Text beschreibt die weißen und roséfarbenen Weine gemeinsam und nennt für Weiß Rolle und Clairette. Die in meiner gesprochenen Erinnerung genannten fünf Rebsorten gehören deshalb nicht als gesicherte Zusammensetzung zu diesem Weißwein. Für die genaue Cuvéezusammensetzung wäre eine passende technische Angabe des Betriebs nötig.

Der Wein machte es uns leicht, langsamer zu trinken. Ein Schluck, noch einmal schauen, wieder kosten: Für mich öffneten sich immer neue Eindrücke. Das war kein Weißwein, den wir einfach nebenbei tranken, sondern ein Wein, mit dem wir uns beschäftigten.

Sonne ist nicht gleich „sulfitfrei“

Bei der Verkostung ging es auch um Sonne, Haltbarkeit und Sulfite. Die offizielle Website beschreibt die Weine als biologisch zertifiziert und macht für bestimmte Weine beziehungsweise Jahrgänge Aussagen zu einem Ausbau ohne zugesetzte Sulfite.

Wichtig ist die Unterscheidung: „Ohne zugesetzte Sulfite“ bedeutet nicht automatisch „enthält keine Sulfite“. Auf dem eigenen Weißwein-Rückenetikett steht ausdrücklich „Contient des sulfites“, also „Enthält Sulfite“. Deshalb übernehmen wir aus dem Gespräch keine pauschale Behauptung, alle Weine seien vollständig sulfitfrei oder die Sonne ersetze generell jede andere Form der Stabilisierung.

Ein Abstecher, der geblieben ist

Wir nahmen Rosé, Weißwein und Rotwein mit – nach meiner Erinnerung insgesamt vier Kisten und noch eine besondere Rotweinflasche. Aktuelle Preise oder Liefermöglichkeiten lassen sich daraus nicht ableiten.

Was geblieben ist, ist die Stimmung: die Glasballons, der Blick, die freundliche Verkostung und dieses Gefühl, einen kleinen Schritt neben die bekannte Côte d’Azur gemacht zu haben. Für uns war Saint-Jeannet nicht nur ein Zwischenhalt, sondern ein eigener Höhepunkt.

Weiterlesen: Weiter ins Barolo-Gebiet · Frankreichs Weinregionen

Quellen und Einordnung

Dieser Reisebericht verbindet Stefans persönliche Erinnerungen an Oktober 2026 mit ergänzend recherchierten Angaben. Geschmackseindrücke, Gespräche und damalige Einkäufe sind persönliche Erlebnisse, keine aktuellen Angebote oder Verfügbarkeitszusagen.

- vignoblestjeannet.fr — offizieller Betriebsname, Georges Rasse und Besuchsinformationen
- vignoblestjeannet.fr — Bio- und spezifische Naturweinangaben
- vignoblestjeannet.fr — Hinweise zu ohne zugesetzte Sulfite, nicht pauschal alle Jahrgänge
- routedesvinsdeprovence.com — regionale Quelle für Ausbau auf den Terrassen
- Eigene, visuell geprüfte Reise- und Etikettfotos des Betreibers (30.10.2026).

Drei große Glasballons vor Weinreben unter bewölktem Himmel.
Eigene Aufnahme der Glasballons in Saint-Jeannet.
Reihe von Glasballons auf einer Steinmauer und Holzschild zur Rezeption.
Eigene Aufnahme der Terrasse in Saint-Jeannet.
Rosé- und Weißweinflasche Les Vignes de Louis auf einem Holztisch.
Eigene Aufnahme der Weine vom Domaine des Hautes Collines.
Rückenetikett Les Vignes de Louis IGP Alpes-Maritimes von Georges Rasse et Fils.
Eigenes Weißwein-Etikettfoto; Hinweis „Enthält Sulfite“ sichtbar.
Glasballons auf einer Terrasse vor Reben, Olivenbäumen und Zypressen.
Offizielles Betriebsmotiv der Hautes Collines

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