Scharf & international · Kimchi und Kimchi-Pfannkuchen
Kimchi hat einen im Pfännchen
Zu Kimchi und Kimchi-Pfannkuchen passt besonders gut ein restsüßer Riesling Kabinett mit niedrigem Alkoholgehalt und lebendiger Säure. Ein Chenin Blanc demi-sec oder ein feinherber Gelber Muskateller sind ebenfalls gute Begleiter, solange Frische und etwas Süße die Schärfe auffangen.
- Sauer
- Salzig
- Scharf
- Umami
3 Min. Lesezeit · Rebe & Traube Redaktion

Der Kohl hat schon genug Temperament
Der Pfannkuchenrand glänzt vom Öl, das Kimchi bringt Chilischärfe mit. Dazu empfehlen sich Riesling Kabinett mit Restsüße, Chenin Blanc demi-sec und Gelber Muskateller feinherb. Besonders gut passt der Kabinett mit wenig Alkohol und lebendiger Säure. Seine saftige Frucht begleitet den fermentierten Kohl, seine Süße mildert die Schärfe, seine Frische balanciert den öligen Rand. Kraft ist hier nicht gefragt.
Kimchi knackt, duftet säuerlich, nach Knoblauch und je nach Rezept deutlich nach fermentierter Würze. Im Kimchijeon, dem koreanischen Kimchi-Pfannkuchen, bekommt diese kantige Persönlichkeit einen goldbraunen Rahmen. Der Teig mildert die Intensität pro Bissen, die gebratenen Ränder steuern Röstaromen bei. Dazwischen bleibt der Kohl saftig. Genau diese Mischung macht die Weinwahl reizvoll. Nicht einfach scharf, sondern scharf, sauer, salzig und herzhaft zugleich.
Erst den Kohl probieren, dann die Flasche öffnen
Junges Kimchi schmeckt meist frischer und knackiger, lange fermentiertes deutlich saurer. Die Milchsäuregärung verändert dabei nicht nur den Duft, sondern auch die Balance. Zucker wird abgebaut, Säure entsteht. Manche Rezepte bringen durch Birne, Apfel oder zugesetzten Zucker dennoch spürbare Süße mit. Deshalb lohnt ein Probebissen vor der Weinentscheidung, ganz ohne feierliches Verkostungsgesicht.
Süße im Essen lässt Wein im Vergleich trockener, saurer und mitunter bitterer wirken. Bei süßlich abgeschmecktem Kimchi braucht der Wein deshalb ausreichend eigene Süße. Die ist außerdem ein sensorischer Puffer gegen Chili, kein Löschmittel. Ein niedriger Alkoholgehalt ist mindestens genauso wichtig. Viel Alkohol kann das Brennen durch Capsaicin verstärken. Ein üppiger, alkoholreicher Weißwein hilft also nicht automatisch, selbst wenn er nach reifer Mango duftet.
Beim nackten Kohl zählt vor allem die Balance aus Säure, Schärfe und Restsüße. Beim Pfannkuchen kommt die Frage hinzu, wie viel Öl und wie viel knuspriger Teig tatsächlich auf dem Teller landen.
Umami braucht keinen Gerbstoffhelden
Fermentation und Zutaten wie Fischsauce oder gesalzene Meeresfrüchte liefern herzhafte Tiefe. Auch vegane Varianten können ausgeprägt umamireich sein. Umami kann im begleitenden Wein Bitterkeit und Gerbstoff stärker hervortreten lassen, während die Frucht zurückweicht. Das Prinzip begegnet uns auch bei Umami aus Miso, Pilzen und Parmesan.
Salz wirkt teilweise in die andere Richtung und kann den Gerbstoffeindruck mildern. Daraus wird aber kein Freifahrtschein für tanninreiche Rotweine. Im selben Bissen sitzen schließlich auch Säure und Chili mit am Tisch. Der häufige Fehler ist, kräftige Würze mit möglichst kräftigem Wein beantworten zu wollen. Ein holzbetonter Cabernet Sauvignon kann neben Kimchi trocken, bitter und heiß wirken. Seine Muskeln stehen ihm hier eher im Weg.
Interaktive Weinwahl
Wie kochst du Kimchi und Kimchi-Pfannkuchen?
Voreingestellt ist eine typische Zubereitung. Stell ein, wie dein Teller wirklich schmeckt, die Vorschläge passen sich sofort an.
Passende Weinstile für deinen Teller
1. Wahl
Champagner oder Winzersekt brut
Warum es passt, wenig Gerbstoff, verträgt Umami gut und Salz macht ihn weicher und runder.
2. Wahl
Riesling Kabinett feinherb oder fruchtsüß
Warum es passt, Frucht und etwas Süße puffern die Schärfe und wenig Gerbstoff, verträgt Umami gut.
Rebsorte Riesling kennenlernen3. Wahl
Sauvignon Blanc
Warum es passt, wenig Gerbstoff, verträgt Umami gut und Säure und Frische schneiden durch das Fett.
Eher meiden – Roter Süßwein, etwa Ruby Port. Hier gilt meist, er ist deutlich süßer als das Gericht und wirkt daneben klebrig. Einzelne Weine können anders ausfallen.
Die Vorschläge sind Weinstile, keine bestimmten Flaschen. Geschmack ist individuell, probier ruhig gegen die Regel.
Drei Weine mit guten Tischmanieren
Mein erster Griff wäre ein Riesling Kabinett mit erkennbarer Restsüße, eher leicht als breit. Apfel, Pfirsich und Zitrus setzen einen fruchtigen Kontrast zum fermentierten Duft. Seine Säure hält neben saurem Kimchi mit. Kabinett allein garantiert allerdings keine Süße, und feinherb bezeichnet keinen fest definierten Zuckergehalt. Eine Angabe zum Geschmacksprofil hilft beim Auswählen.
Chenin Blanc demi-sec bringt häufig Quitte, gelben Apfel und etwas mehr Textur mit. Das passt besonders schön zum Pfannkuchen mit weicher Mitte und kräftig gebräunten Rändern. Seine Säure setzt dem Fettgefühl einen erfrischenden Gegenakzent. Sie löst das Öl nicht auf, sondern lässt den nächsten Bissen weniger schwer erscheinen.
Feinherber Gelber Muskateller spielt die duftige Karte. Zitrusschale, Traube und florale Noten bleiben neben Knoblauch und Chili erkennbar. Wichtig sind auch hier mäßiger Alkohol und genügend Frische. Ähnliche Überlegungen helfen bei Bibimbap mit würziger Chilipaste, denn die Sauce bestimmt den Wein oft stärker als die Grundzutaten.
Der Dip darf nicht heimlich übernehmen
Zum Kimchijeon steht gern ein Dip aus Sojasauce und Essig auf dem Tisch. Der bringt zusätzlich Salz, Säure und Umami. Ein großzügig darin versenkter Pfannkuchen ist sensorisch ein anderes Gericht als eine nur leicht benetzte Ecke. Bei der Probe deshalb immer den fertig gewürzten Bissen nehmen. Auch extra Chili kann eine gerade noch entspannte Kombination kippen lassen.
Serviere die Weißweine kühl, ungefähr bei neun bis elf Grad. Eiskälte versteckt Frucht und Duft, zu viel Wärme stellt den Alkohol nach vorn. Für einen kleinen Vergleich reichen ein trockener und ein restsüßer, ähnlich leichter Riesling. Erst beide pur probieren, dann nach einem Stück Kohl und schließlich nach einer knusprigen Pfannkuchenecke. Achte darauf, welcher Schluck saftig bleibt und welcher plötzlich streng wird. Kimchi verteilt ziemlich ehrliche Zeugnisse.
Kurz und ehrlich
- Riesling Kabinett mit Restsüße – Niedriger Alkohol und etwas Süße begleiten Chili, lebendige Säure hält neben fermentiertem Kohl mit und erfrischt zum gebratenen Teig. Mehr über Riesling
- Chenin Blanc demi-sec – Saftige Säure, dezente Süße und etwas Textur passen besonders zum Kimchi-Pfannkuchen mit knusprigen Rändern und weicher Mitte. Mehr über Chenin Blanc
- Gelber Muskateller feinherb – Sein ausgeprägter Duft bleibt neben Knoblauch und fermentierter Würze präsent. Eine leichte, frische Ausführung mit Restsüße ist besonders geeignet. Mehr über Gelber Muskateller
Weinberater: in drei Fragen zur passenden Rebsorte · Alle Rebsorten im Überblick
Eher nicht – Alkoholreicher, holzbetonter Cabernet Sauvignon. Alkohol kann das Chilibrennen verstärken, Umami Bitterkeit und Gerbstoff hervorheben. Zu sehr mildem Kimchi als kleiner Beilage kann er funktionieren, als Begleiter des Hauptgerichts ist er meist zu dominant.
Ohne Alkohol – Kühler, mild aufgebrühter Gerstentee mit einem kleinen Schuss Birnensaft begleitet die Röstaromen des Pfannkuchens und bringt etwas ausgleichende Süße mit. Ohne Kohlensäure entsteht kein zusätzlicher Prickelreiz zur Chilischärfe.
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Probier das zu Hause
Vergleiche einen trockenen mit einem restsüßen Riesling bei ähnlich niedrigem Alkoholgehalt. Probiere beide zunächst pur, dann zu Kimchi und anschließend zum Pfannkuchen samt Dip. Achte auf Brennen, Frucht und einen plötzlich bitteren Nachgeschmack.
Worauf dieser Text aufbaut
Die Szenen im Text sind erzählte Beispiele, keine Reportage. Die Grundregeln folgen der Lehrmeinung des WSET, persönlicher Geschmack darf abweichen.