Weinreise · Oktober 2026
Lieselehof in Kaltern: Ein Weinberg, der nach Erdbeeren schmeckt, und ein Sekt, der uns umhaut
Hunderte Rebsorten aus aller Welt, Trauben mit Erdbeergeschmack und ein besonderer Schaumwein: Unser Besuch am Lieselehof in Südtirol.
3 Min. Lesezeit

Von Stefan Tappert · unterwegs im Oktober 2026
Oberhalb des Kalterer Sees liegt der Lieselehof mit einem sagenhaften Blick ins Tal. Wir stehen mit dem Wohnmobil nahe dem Weinberg. Dieser Stellplatz diene nach Auskunft vor Ort auch als Hubschrauberlandeplatz. Das ist eine Auskunft aus unserem Besuch, keine von uns geprüfte luftfahrtrechtliche Angabe – und erst recht keine heutige Stellplatzbuchung.
Schon nach den ersten Schritten merken wir: Hier warten nicht nur Flaschen auf uns. Hier wartet ein Weinberg voller Fragen.
Eine Rebenbibliothek unter freiem Himmel
Werner Morandell hat hier eine lebendige Rebenbibliothek aufgebaut, das Südtiroler Weinrebenmuseum. Seine Frau heißt Claire. Hunderte Rebsorten aus aller Welt stehen auf kleinen Schildern dokumentiert nebeneinander. In unseren Notizen tauchen Stepnjak, Madeleine Angevine, Manzoni-Kreuzungen und Blütenmuskateller auf. Die nachgereichten eigenen Fotos bestätigen die Schreibweisen Stepnjak, Madeleine Angevine und Blütenmuskateller.
Eine touristische Beschreibung nennt 350 Rebsorten; unsere Reiseangabe lautet mehr als 360. Weil uns eine aktuelle Inventarliste fehlt, bleiben wir bei „Hunderte“, statt eine vermeintlich exakte Zahl festzuschreiben. Der Eindruck braucht ohnehin keinen Zahlenrekord: Man läuft durch einen Weinberg und reist zugleich um die Welt.
Eine Traube mit Erdbeerüberraschung
Bei einer Traube bleiben wir verblüfft stehen. Sie schmeckt für uns so deutlich nach Erdbeere, dass man mit geschlossenen Augen kaum glauben mag, eine Weintraube zu essen. Ein kleiner Moment, der hängen bleibt. Welcher Sortenname genau zu dieser Geschmackserinnerung gehört, ist auch durch die nachgereichten Schilderfotos nicht sicher dokumentiert. Wir raten ihn deshalb nicht.
Werner erklärt leidenschaftlich biologische Bewirtschaftung, PIWI-Sorten und den Wandel des Weinbaus. PIWI steht für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Widerstandsfähigkeit bedeutet dabei nicht automatisch, dass in jeder Situation keinerlei Pflanzenschutz nötig wäre. Uns interessiert an diesem Gespräch vor allem die Offenheit für andere Wege.
Extra Brut 75: die Zahl hat eine Bedeutung
Dann die Verkostung: Weiß, Rot und schließlich Extra Brut 75 vom Lieselehof. In unseren Notizen steht 2018. Das nun vorliegende Rückenetikett zeigt „L 2018“, 12,5 % vol. und Dégorgement 03/2025. Weil „L“ eine Loskennung ist, machen wir daraus ohne zusätzliche Bestätigung keinen gesicherten Jahrgang. Wunderbar frisch, komplex, mit feiner Perlage – für uns einer der Höhepunkte dieser Reise.
Die offizielle Produktinformation von 2025 nennt für Extra Brut 75 die Rebsorte Souvignier Gris und 75 Monate auf der Hefe in der Flasche. „75“ bezeichnet dort also die Dauer des Hefelagers, nicht den Jahrgang. Die technische Information einer aktuellen Produktbeschreibung übertragen wir nicht ungeprüft auf sämtliche Details unserer Flasche mit der Loskennung L 2018.
Neugier statt einfacher Lösungen
Dieser Betrieb ist für uns mehr als ein Weingut: Hier wird ausprobiert, erklärt und mit Begeisterung geteilt. Höhere Lagen und robuste Rebsorten können mögliche Anpassungsstrategien im Weinbau sein. Ob sie passen, hängt vom Standort und vielen weiteren Bedingungen ab.
Am Lieselehof bleiben für uns besondere Bilder: kleine Rebsortenschilder, eine überraschende Traube und ein Schaumwein, bei dem wir noch einmal genauer hinschauen.
Quellen und Einordnung
Persönliche Reiseerinnerung von Stefan Tappert, ergänzt durch die nachfolgend genannten Quellen. Gespräche, Geschmackseindrücke und damalige Verfügbarkeit sind keine aktuellen Angebote.
Weingenusstour durch Frankreich und Italien
Von Barbaresco nach Bardolino: Ein halber Liter Hauswein, eine Pizza und die Flucht vor dem Gardasee
Revena Farm: Ein roter Traktor, ein Rosato und ganz viel italienische Gastfreundschaft
Enantio: Dieser Rotwein sagt nicht „Hallo“, der stellt sich vor!
Lieselehof in Kaltern: Ein Weinberg, der nach Erdbeeren schmeckt, und ein Sekt, der uns umhaut
15,5 Prozent und schon im September gelesen: Was passiert mit dem Barolo?






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